Mobbing am Arbeitsplatz
Als Opfer zweifacher, eigentlich sogar dreifacher Mobbingaktionen möchte ich heute einmal darüber berichten.
Zum ersten Mal kam ich damit nach meiner Umschulung zur Reiseverkehrskauffrau in Berührung. Bis dahin gab es zwar hin und wieder Meinungsverschiedenheiten, doch die ließen sich immer wieder klären, selbst während des Praktikums, als einer der Kollegen zu mir meinte, ich könne mir ja aus dem Abfallcontainer vom Wochenmarkt mein Essen zusammensuchen (das war auch die einzige unverschämte Bemerkung). Hier reagierte ich direkt und wandte mich an die Büroleitung, die ein klärendes Gespräch mit dem Kollegen führte. Von da an war das Verhältnis sehr kollegial.
Nach der Umschulung arbeitete ich im Reisebüro eines großen Busreiseveranstalters. Dumm war nur, daß ich dem damaligen Büroleiter einfach hingesetzt wurde, ohne daß er eine Mitsprachemöglichkeit hatte. Das bekam ich dann auch zu spüren durch Arroganz, Ignoranz und Verweigerung von Einarbeitung. In diesem Büro war auch eine ältere Frau beschäftigt, die 2 x in der Woche kam. Solange der Büroleiter das Sagen hatte, war das Arbeitsverhältnis relativ kollegial. Doch nachdem dieser gekündigt hatte, weil sein Einspruch gegen meine Anwesenheit kein Gehör fand, bekam ich die „Schrullen“ der älteren Dame zu spüren, die von da an häufiger kommen mußte, weil man ihr die Büroleitung übertragen hatte.
Da sich hier die eigentliche Mobbingaktion in dem ihrer Empfehlung gegenüber dem Chef der Reisebüros äußerte, ich sei für DIESES Büro nicht geeignet (was zu einer Kündigung innerhalb der Probezeit mit sofortiger Freistellung führte), will ich hierauf auch nicht mehr näher eingehen.
Einen Monat später hatte ich bereits eine neue Stelle in einem Vollreisebüro, das von 2 Frauen geleitet wurde. Eigentlich nur von einer, doch die Schwester arbeitete mit im Büro. Zur gleichen Zeit fing ein junges Mädchen ihre Ausbildung dort an und wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut. Auch mit den beiden Frauen war es während der Probezeit ein harmonisches Arbeiten mit viel Lob und Freundlichkeit. Das änderte sich aber schlagartig, nachdem ich die Probezeit überstanden hatte. Ich muß dazu sagen, daß die Büroleitung Alkoholikerin war, die auch häufig angetrunken zur Arbeit kam oder nach der Mittagspause zurück. Schreien, unangemessene Schikane und Ignoranz waren von da an an der Tagesordnung.
So wurde ich zum Beispiel angeschnauzt, wenn ich mich an die jüngere der beiden Schwestern wenden wollte (die neben der Linienflug- und Firmendienstabteilung auch noch die Aufgaben der Schwester übernehmen mußte, wenn diese mal wieder den Alkoholpegel überschritten hatte, bis zu dem man noch konzentriert arbeiten konnte), daß ich doch sähe, sie hätte zu tun – lange bevor ich den Mund aufmachen konnte.
Weiterhin waren es so Kleinigkeiten wie das nicht rechtzeitige Öffnen der Eingangstür durch mich oder das zu frühe Öffnen (immer zur gleichen Uhrzeit). So wußte ich am Ende gar nicht mehr, was nun richtig ist und wartete, bis eine der Beiden die Tür aufschloß, was natürlich auch nicht richtig war.
Suchte ich nach einem Reisekatalog für einen Kunden, ohne es zu wagen, jemanden zu fragen wurde ich angeschnauzt, was ich denn da machen würde. Meine Aufgaben waren es hauptsächlich die Bahnkunden zu bedienen, die bei uns ihre Fahrkarten kauften oder sich Zugverbindungen raussuchen ließen und dann auch die sehr seltenen Touristik-Kunden. Einer meiner Kunden reagierte ganz toll, als sich wieder einmal eine der Schwestern in das Beratungsgespräch 'einmischte und mich anschnauzte, weshalb ich denn so umständlich sei. Er fragte sie, ob sie immer so mit ihren Angestellten reden würde und sie müsse sich nicht wundern, wenn ich auch eines Tages aufhören würde. Sie wurde puterrot und von da an noch unleidlicher.
Letztendlich gipfelte alles darin, daß ich in jeder Mittagspause heulend bei meinen Eltern saß (die in der Nähe wohnten) und mit meinen Nerven am Ende war. Dies äußerte sich darin, daß ich, als ich für eine Kundin eine Bahnverbindung aufschreiben sollte (die ich eigentlich ausdrucken wollte), den Kugelschreiber nicht mehr halten konnte, ohne zu zittern. Wenn ich meine Hand mit der anderen festhielt, hörte das Zittern zwar auf, aber schreiben konnte ich dann nicht mehr. Sobald ich meine Hand wieder losließ, fing das Zittern wieder an, so daß ich auch nicht schreiben konnte. Am Schlimmsten war der mitleidige Blick der Kundin in mein Gesicht, das tränenüberströmt war.
Als die Kundin das Geschäft wieder verlassen hatte, bat ich meine Chefin, nach Hause fahren zu dürfen – was sie mir verweigerte. Am nächsten Tag meldete ich mich krank und kündigte anschließend fristlos. Mein Arzt bescheinigte mir, daß ich in diesem Zustand dort nicht mehr arbeiten könnte, so daß ich auch keine Sperre vom Arbeitsamt erhielt.
Die 6 Monate danach waren schlimm. Ich konnte mich zu nichts aufraffen und saß oft tagelang auf meiner Couch und stierte vor mich hin. In meiner Umgebung konnte das keiner nachvollziehen und die meisten wußten auch nicht damit umzugehen. Hinterher, als es mir wieder besser ging, wurde mir berichtet, daß man geglaubt hatte, ich würde mich nur anstellen. Erst als eine Freundin mich dann besuchte, weil ihr die Sache nicht geheuer war und sie mich in meinem Zustand sah, wurde ihr bewußt, wie schlimme es um mich stand. Sie meinte hinterher zu mir, sie hätte es richtig mit der Angst zu tun bekommen, ich könnte mir etwas antun oder durchdrehen. – Auch jetzt, wo ich das schreibe, kommen mir wieder die Tränen. Ich hatte mich auch in psychotherapeutische Behandlung begeben. Das hatte es aber nicht besser gemacht – eher schlimmer. Denn die Therapeutin schaute noch gequälter drein als ich.
Erst ein gemeinsamer Urlaub mit meiner Freundin in der Türkei und die Aussicht auf eine neue Stelle führte schlagartig zu einer Besserung meiner Verfassung.
Ein weiteres Mal, daß ich Mobbing erleben mußte war 3 Jahre später. Ich hatte gerade eine 1 Jährige Weiterbildung hinter mir und fing ganz neu in einem Reisebüro an, daß kurz vorher von einem Vorgänger übernommen worden war. Die bis dahin dort beschäftigten jungen Leute waren gut 10 Jahre jünger als ich (ein Mann und eine Frau) und hatten dort gemeinsam ihre Ausbildung absolviert und während der Zeit das Büro praktisch alleine gemanaged. Ich war zwar schnell mit beiden per Du, spürte aber sehr deutlich, daß sie mich nicht in ihrer Mitte haben wollten. Die Sitzverteilung in dem renovierten und neu eingerichteten Büro war auch dementsprechend - ich wurde abseits platziert und so, daß der Blick der Kunden nicht zuerst auf mich fiel sondern auf die Beiden.
Der Gerechtigkeit halber muß ich aber im Nachhinein sagen, daß alle Aktionen hauptsächlich von ihr ausgingen und er einfach nur zu schwach war, dagegen anzugehen. In dem Büro war ich gut 2 Jahre angestellt (durch ein Drei-Schicht-System konnte man eine Zusammenarbeit teilweise verhindern). Wir hatten einen sogenannten Verkaufsförderer, der für die Reisebüros der Kette zuständig war. Wie sich hinterher herausstellte hatte sie ihn davon überzeugt, ich sei nicht für das Büro geeignet. Aber kündigen konnte man mir nicht, weil mir keine Nachlässigkeiten nachgesagt werden konnten. Allerdings schwanden meine Umsätze (die wir regelmäßig auflisten und an die Zentrale schicken mußten). Kunden, die ich zuvor beraten hatte und aufgrund der unterschiedlichen Arbeitszeiten bei meiner Kollegin gebucht hatten, berichteten mir natürlich von der Buchung – wovon mir meine Kollegin aber nichts gesagt hatte. Sie hatte also den Umsatz auf ihr Konto geschrieben und das nicht nur einmal. Damit wollte sie beweisen, daß ich keine Umsätze machen würde und deshalb untragbar sei.
Dann kam ihr Urlaub und ich konnte beweisen, daß alles nur fingiert war. Der Verkaufsförderer wurde durch eine andere abgelöst und die Befürchtung, man könne mir wegen mangelnder Umsätze kündigen war vorerst vom Tisch. Doch dann ging es erst richtig los. Es wurden mir Dienste vorgeschrieben, ohne daß ich eine Einwandmöglichkeit hatte (dann war ich ja unkollegial). Sie sprach nicht mit mir, wenn der Kollege im Büro war, grüßte nicht und verabschiedete sich nicht. Nur wenn wir alleine im Büro waren, war es ihr wohl zu langweilig und sie ließ sich dazu herab, mit mir zu sprechen.
In der Zwischenzeit war der Kollege zum Bund eingezogen und wir bekamen für die Zeit eine neue Kollegin. Die war schon okay und ließ sich nicht auf diese Spielchen ein. Sie gab sogar zu, daß die bisherige Kollegin versuchte, mich loszuwerden – angeblich war es nichts persönliches, sie sah mich einfach nur als Eindringling in ihr eingespieltes Team, zumal ich mich mit dem Kollegen relativ gut verstand.
Sie fing dann auch an, ihn zuverärgern – er war mittlerweile wieder im Büro tätig und vom Bund zurück – indem sie uns die Kunden beraten ließ, während sie privat telefonierte oder eine von ihr geführte Beratung abbrach, weil sie einen privaten Termin hatte. Den Kunden übergab sie dann an uns. Hatte aber einer von uns mal einen Termin, weigerte sie sich strikt, den Kunden zu übernehmen, da sie ja noch Schreibkram machen müßte. Damit brachte sie den Kollegen auch gegen sich auf.
Auf einmal kam die neue Verkaufsförderin und bat uns drei zu einem Gespräch, in dem mir vorgeworfen wurde, ich würde das Betriebsklima belasten und sei unkollegial, weil ich es gewagt hatte, dann doch hin und wieder auf private Termine zu bestehen. Ich verstand die Welt nicht mehr. Auf einmal war der Kollege so klein mit Hut und wagte nicht, dagegen zusprechen. Und es wurden noch mehr dieser Gespräche geführt (um hinterher sagen zu können, wir haben sie abgemahnt?).
Eines Tages kam ich dann ins Büro, die Kollegin stand mit hochrotem Kopf vor der Kundenkasse und meinte, es würde Geld fehlen. Indirekt beschuldigte sie mich sogar, das Geld genommen zu haben. Daß man sich mal verrechnen könnte bzw. falsch das Wechselgeld herausgegeben haben könnte – und auch daß ihr das hätte passieren können – wies sie weit von sich (wie kann man das?) Es gab auch Gespräche mit dem Betriebsleiter (das Reisebüro lag in einem Einkaufszentrum und war ihm unterstellt). Und auch diese fanden immer häufiger statt, angeblich, weil ich das Betriebsklima vergiften würde. Der Diebstahlsvorwurf nagte an mir, zumal ich nichts gemacht hatte. Ich wurde immer nervöser und unsicherer und machte einen Fehler nach dem anderen, so daß mir eines Tages ein Aufhebungsvertrag vorgelegt wurde. Wie dumm ich doch war, den zu unterschreiben und auf den Druck, den man auf mich ausübte – ansonsten müsse man mir kündigen – nachzugeben. Ich hätte sagen sollen: „Ja, dann kündigen Sie mir doch.“ Hinterher wurde mir bewußt, daß sie gar nichts gegen mich in der Hand hatten, sonst hätten sie mir ja ordnungsgemäß gekündigt.
Später erfuhr ich, daß mein Nachfolger dafür gesorgt hat, daß sie gekündigt hat, indem er ähnlich mit ihr verfahren ist wie sie mit mir. Ich kann nicht sagen, daß ich darüber besonderes empört war. Beide Begebenheiten sind jetzt mehr als 10 Jahre her und immer noch nagt es an mir. Ich habe dies nie wirklich verarbeitet, nur verdrängt. In ähnlichen Situationen fange ich immer noch an zu zittern und bin immer froh, wenn mich dann Niemand sieht.
Ein weiteres Mal versuchte mich jemand zu mobben und zwar eine Auszubildende. Dem schob ich aber ziemlich schnell den Riegel vorschieben konnte. Erst nachdem sie auch versuchte, dem Chef und der Kollegin (in einem anderen Büro) Vorschriften zu machen und mit ihrer fordernden Art alle gegen sich aufbrachte – sie wollte alle Rechte für sich, aber keine Pflichten übernehmen, wurde ihr während der Ausbildung gekündigt.
Ich frage mich, was Menschen davon haben, andere zu schikanieren? Gerade unter Kollegen sollte doch Einigkeit bestehen.
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